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VW-Abgas-Skandal: Wer haftet?  

VWDer VW-Skandal hat die Bundesbürger aufgeschreckt. Auch hierzulande müssen Millionen Dieselautos in die Werkstätten, weil in ihnen Software verbaut wurde, die allein der Manipulation der Abgaswerte dient. Aber wer haftet für den Schaden? Und welche Fahrzeuge sind überhaupt betroffen? 

Grundsätzlich gilt: Der Volkswagen-Konzern muss für den verursachten Schaden einstehen, sofern ihm eine Manipulation nachgewiesen werden kann. Auf seiner Webseite hat VW bereits angekündigt, den Kunden entgegenkommen zu wollen. „Klar ist: Wir übernehmen die volle Verantwortung und auch die Kosten für die notwendigen Maßnahmen“, heißt es in einer Pressemeldung des Autobauers. „Klar ist aber auch, dass das Zeit brauchen wird. Zeit für die Analyse und Zeit, um technische Maßnahmen umzusetzen.“

Alle betroffenen Fahrzeuge seien sicher und fahrbereit, betonten die Wolfsburger zugleich. „Die aktuelle Thematik betrifft ausschließlich die ausgestoßenen Schadstoffe“. Dennoch fühlen sich nun viele Autofahrer getäuscht und betrogen. In Werbekampagnen hat VW immer gern mit seiner ökologischen Verantwortung geworben – die nun ad absurdum geführt wurde.

2,8 Millionen Fahrzeuge bundesweit betroffen

Von den Manipulationen bei Abgasmessungen sind nach aktuellem Kenntnisstand 2,8 Millionen Fahrzeuge in Deutschland betroffen. Das erklärte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im Deutschen Bundestag. Und: VW hat nicht nur bei den PKW manipuliert. Nach Angaben von Dobrindt betrifft dies auch leichte Nutzfahrzeuge wie zum Beispiel der Transporter T6 oder VW-Kastenwagen. Wer zum Nachrüsten zurück in die Werkstatt muss, soll von VW per Post angeschrieben werden, wie der Konzern berichtet.

Doch welche Automodelle sind überhaupt mit manipulierter Technik unterwegs? Auch diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt. Aktuell bekannt ist, dass es Fahrzeuge mit Dieselmotoren des Typs EA 189 betrifft, unter anderem der Golf 6, VW Tiguan und der Passat der siebten Generation.

Leider sind auch Fahrer der Töchter- und Schwestermarken nicht vor Manipulationen sicher. Rund 577.000 Fahrzeuge von Audi sollen hierzulande ebenso betroffen sein wie Modelle des Tschechischen Autobauers Skoda. „Der fragliche Motor (EA 189) sei in den Varianten mit 1,6 und 2,0 Litern Hubraum als Turbodiesel in den Modellen A1, A3, A4 und A6, dem Sportwagen TT sowie den Geländewagen Q3 und Q5 verbaut worden“, heißt es auf Spiegel Online zu den Audi-Modellen. Bei Skoda müssen wohl die Typen Fabia, Roomster, Octavia und Superb in die Werkstatt (Baujahr 2009-13).

Eile ist aktuell nicht geboten

Aktuell arbeitet VW noch an einer Lösung, wie die Diesel möglichst preiswert auf schadstoffärmere Technik umgerüstet werden können. Wer Schadensersatzansprüche gegen VW geltend machen will, muss sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beeilen und kann die Entwicklungen der nächsten Wochen abwarten. Ansprüche auf Schadenersatz gegen Volkswagen oder einer eventuell anderen Automarke bestehen mindestens zwei Jahre, bei einem Gebrauchtwagen mindestens ein Jahr, wie die Deutsche Anwaltshotline in einer Pressemeldung berichtet.

Klar ist, dass VW die Kosten für die Umrüstung höchstwahrscheinlich wird tragen müssen. Werde an deutschen Motoren eine „Manipulation nachgewiesen, kann ein Autokäufer unter Umständen den Kauf rückabwickeln oder die Wertdifferenz erstattet bekommen“, erklärt Anwältin Jetta Kasper von der Anwaltshotline. Wer eine Rechtsschutzversicherung besitzt, kann sich mit ihr in Verbindung setzen, welche Schritte eingeleitet werden können.

Auch Anleger mit Volkswagen-Aktien können Kursverluste geltend machen. Rechtsanwältin Ulrike Westhauser bewertet die Manipulation als Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz. Die seit Freitag, den 18. September 2015 öffentlich gewordene Manipulation könnte den Konzernen schon viel länger bekannt sein. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, ist die AG nicht ihren Informationspflichten nachgekommen und damit gegenüber den Aktionären schadenersatzpflichtig. In den letzten Tagen war die VW-Aktie von teils hohen Kursverlusten betroffen.

 

Schmidtke René

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