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Kurzzeitversicherungen für die närrische Zeit?

Teenage girl text messaging on her phoneSei es der Karneval, das Oktoberfest oder die Klassenfahrt des Schulkindes: Eine zunehmende Zahl von Anbietern bringt Kurzzeit-Unfallversicherungen für bestimmte Anlässe auf den Markt, die sich bequem per App abschließen lassen. Doch diese Policen sind oft nicht nur teuer, sondern bieten auch nur eingeschränkten Schutz. 

Immer da, wo sich Menschen zum feuchtfröhlichen Gaudi treffen, lauert auch eine erhöhte Unfallgefahr. Da bildet der Karneval natürlich keine Ausnahme. Wenn Funkenmariechen auf den Tischen tanzen, falsche Cowboys ihre Plastik-Colts schwingen oder Opa im Matrosenkostüm zur Polonaise aufbricht, da geht auch schnell mal etwas zu Bruch.

Schutz nur vorübergehend?

Die Versicherer haben das Potential solcher Veranstaltungen erkannt und bieten Unfallpolicen an, die kurzfristig und für wenige Tage abgeschlossen werden können. Diese tragen dann so originelle Namen wie „Jeckenschutz“ und gelten tatsächlich nur in den närrischen Tagen. Doch Verbraucherschützer sehen solche Versicherungen kritisch. Denn sie tragen dazu bei, dass sich die Bundesbürger nicht dauerhaft gegen Risiken absichern, die doch jeden Tag drohen.

Beispiel private Unfallversicherung: Pro Jahr verunglücken 800.000 Menschen so schwer, dass sie Anrecht auf Leistungen aus ihrem Versicherungsvertrag haben. Und keineswegs nur dann, wenn Papa im Männerballett die Beine schwingt oder die Mama als Funkenmariechen mit dem Salto überfordert ist. Die meisten Unfälle ereignen sich tatsächlich da, wo man sich am sichersten fühlt: In den eigenen vier Wänden!

Das Statistische Bundesamt schätzt, dass in Deutschland jährlich circa 8,9 Millionen Menschen bei einem Unfall verletzt werden, davon etwa 2,73 Millionen im Haushalt und 2,63 Millionen im Freizeitbereich. Stürze sind die häufigste Unfallursache, zum Beispiel weil man beim Fensterputz auf einem unstabilen Hocker balanciert. Ein Unfallschutz tut also das ganze Jahr über Not. Entsprechend sollten Verbraucher auch dauerhaft für ein solches Risiko vorsorgen.

Niedrige Versicherungssumme

Ein weiterer Grund trägt dazu bei, dass die Kurzzeit-Policen in die Kritik geraten sind: Viele bieten nur eine niedrige Invaliditätssumme, zum Beispiel 50.000 Euro. Damit lassen sich die Folgen einer Invalidität kaum auffangen, kann doch bereits der behindertengerechte Umbau des Hauses einen fünfstelligen Betrag verschlingen. Experten empfehlen stattdessen eine Grundsumme von minimal 100.000 Euro sowie die Vereinbarung einer sogenannten Progression. Dann steigen die Versicherungsleistungen ab einem bestimmten Invaliditätsgrad überproportional.

Grundsätzlich gilt: Ein eingeschränkter Schutz ist besser als gar keiner. Und so bieten sich die Kurzzeitpolicen dann an, wenn Jecken vergaßen, vor dem Fasching eine vollwertige Police zu zeichnen. Ansonsten sollte man aber eine vollwertige Unfallversicherung bevorzugen, sind die „Karneval-Unfallversicherungen“ doch auch sehr teuer. Kostet der Vertrag für den 3 Tage im Fasching zum Beispiel 5 Euro, dann ergibt das auf das Jahr hochgerechnet schon einen vierstelligen Betrag. Und auch auf die Leistungsausschlüsse sollte man achten. Manche Versicherer zahlen nicht, wenn sich der Unfall unter Alkoholeinfluss ereignete: Ein solcher Schutz taugt im Fasching nur als Gag für die Büttenrede.

Schmidtke René

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