0341 23064750

Der Pflegefall: Wenn Angehörige haften

sitting on a wheelchairZum Pflegefall zu werden ist eine beängstigende Vorstellung. Aber dabei auch noch der Familie zur Last zu fallen, ist für die Deutschen unter 60 Jahren eine Horrorvorstellung: 84 Prozent fürchten nichts mehr als die Pflegebedürftigkeit. Wenn sie aber doch eintreten sollte, haben 83 Prozent die meiste Angst davor, ihre Angehörigen persönlich zu belasten.

Den Kindern finanziell auf der Tasche zu liegen fürchten 76 Prozent. Das geht aus der aktuellen Continentale-Studie 2014 in Zusammenarbeit mit TNS Infratest hervor. Immerhin kommen auf Pflegebedürftige oft monatliche Kosten von weit über 1.000 Euro zu. So kann allein die Unterbringung in einem Heim je nach Pflegestufe über 3.000 Euro im Monat verschlingen. Innerhalb von fünf Jahren kommt so schnell eine Summe von über 100.000 Euro zusammen.

Sollten die Ersparnisse und die Absicherung des Pflegebedürftigen nicht reichen, ermittelt das Sozialamt die unterhaltspflichtigen Angehörigen entsprechend des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Es regelt die allgemeinen Bedingungen der Unterhaltsverpflichtungen zwischen Familienangehörigen.

Zunächst müssen die Ehegatten ihr Vermögen offenlegen, unabhängig von der Dauer der Ehe. Auch geschiedene Ehepartner können einbezogen werden, sollte der aktuelle Lebenspartner die Kosten nicht decken können. Haben alle Ehegatten gezahlt, kommen die leiblichen Kinder (Verwandte in gerader Linie) in Frage, auch sie haften gesamtschuldnerisch.

Inwiefern Angehörige für den Unterhalt aufkommen müssen, orientiert sich an deren individueller Leistungsfähigkeit und dem Beitrag zum Einkommen der eigenen Familie. Weniger bekannt ist, dass auch Enkel indirekt haften, denn auch diese sind Verwandte in gerader Linie. Die nicht gedeckten Zahlungen verfallen nicht und können noch 30 Jahre später eingefordert werden.

Nicht gegenseitig füreinander aufkommen müssen Geschwister, Verschwägerte oder noch weiter entfernte Verwandte. Kann jedoch aufgrund des Schonbetrags auf kein Einkommen oder Vermögen zurückgegriffen werden, dann übernimmt das Sozialamt letztendlich die Kosten. Die rechtzeitige Vorsorge und eine Vermögensaufteilung je nach Familienstand können sich hier lohnen.

Schmidtke René

Ihr Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.