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Vorsorge

Immer mehr Pflegebedürftige

Aktuelle Zahlen zeigen erneut, wie wichtig die Pflegevorsorge ist. Demnach klettert die Zahl der Pflegebedürftigen über die 3-Millionen-Marke. Längst ist Pflegebedürftigkeit ein Thema, das für viele Familien relevant ist.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt seit Jahren. Nun ergab eine aktuelle Auswertung des Statistischen Bundesamtes, dass zum Jahresende 2015 rund 2,9 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes waren. Neuere Zahlen der Statistikbehörde liegen zwar aktuell nicht vor. Allerdings lässt eine weitere Erhebung des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) den Schluss zu, dass die 3-Millionen-Marke längst geknackt sein dürfte.

Denn die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen den Status Quo, bevor das Zweite Pflegestärkungsgesetz der scheidenden Bundesregierung in Kraft trat. Nun haben auch erstmals Menschen mit geistiger Behinderung Anspruch auf Pflegeleistungen, die vorher durch das Raster fielen: vor allem Demenzkranke. So sei die Zahl der zusätzlichen Empfänger von Pflegeleistungen allein in den ersten drei Quartalen 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 220.000 gestiegen. In diesem Zeitraum hätten 586.000 Menschen erstmals Leistungen erhalten, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit Bezug auf MDS-Zahlen.

Fast drei von vier Pflegebedürftigen werden zuhause betreut

Für die Angehörigen bedeutet es eine enorme Umstellung, wenn in der Familie ein Pflegefall eintritt. Denn stolze 73 Prozent aller Pflegebedürftigen werden laut Statistischem Bundesamt nicht in einem Heim betreut, sondern in den eigenen vier Wänden. Das bedeutet oft, dass Angehörige im Beruf kürzertreten müssen und mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert sind. Unter Umständen muss der Betroffene gewaschen, gehoben, eingekleidet und anderweitig versorgt werden – Aufgaben, für die professionelle Pflegekräfte eine lange Ausbildung absolvieren.

Deshalb empfiehlt es sich, schon im Vorfeld auf den Fall der Fälle vorbereitet zu sein – so ungern man sich auch mit der eigenen Pflegebedürftigkeit beschäftigt. Zunächst sei daran erinnert, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Teilkasko ist, das Armutsrisiko entsprechend hoch. Logisch: Wer etwa im Job kürzer tritt, muss oft Einbußen beim Gehalt verkraften, die sich durch Zahlungen der Pflegekasse oft nicht allein auffangen lassen. Auch fallen zusätzliche Kosten an, etwa, um die Wohnung behindertengerecht zu gestalten.

Deshalb empfiehlt sich zunächst der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung. Experten raten bevorzugt zu einer Pflegetagegeld– oder Pflegerentenversicherung, weil bei diesen Sparten das Geld dem Versicherten zur freien Verfügung steht. Er kann es dann auch den pflegenden Angehörigen für Unterstützungsleistungen geben.

Vorsorgevollmacht – eigentlich Pflicht!

Darüber hinaus sollte eigentlich jeder Bürger über eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung verfügen. Eine Vorsorgevollmacht legt fest, welche Personen wichtige Aufgaben übernehmen sollen, wenn man selbst nicht mehr entscheiden kann: zum Beispiel, wer Zugriff auf das Konto hat. Mit einer Patientenverfügung können Menschen konkret regeln, welche medizinische Behandlung sie wünschen, wenn sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind. Liegen diese Dokumente nicht vor, kann das Sozialgericht im schlimmsten Fall einen fremden Betreuer ernennen, der dann die Angelegenheiten des Patienten regelt.

Vorsorge-Maßnahme Numero 3: Gerade Senioren sollten sich Gedanken machen, ob ihre Wohnung und ihr Umfeld für eine mögliche Pflegebedürftigkeit geeignet sind. Also zum Beispiel, ob die eigene Wohnung ebenerdig ist und sich Hindernisse leicht überwinden lassen – oder steile Treppen und Schwellen es erschweren, sich im Raum zu bewegen. Und ob eine gute Anbindung zu Supermärkten und dem Nahverkehr besteht. Hierbei empfiehlt es sich auch, Rat von Fachleuten einzuholen.

Schulunfälle – der gesetzliche Unfallschutz reicht nicht

Wer zahlt, wenn ein Schüler in der Schule oder dem Weg dorthin verunfallt? Die gesetzliche Unfallversicherung bietet einen Grundschutz. Doch der ist sehr eingeschränkt. Es lohnt ein Upgrade mit einer privaten Unfall- oder Invaliditätsversicherung.

In vielen Bundesländern ist das neue Schuljahr gerade wenige Wochen alt. Gerade für die Kleinsten stellt sich die Frage nach der Sicherheit in der Schule. Denn nicht nur im Schulgebäude lauern Gefahren, wenn viele Kinder aufeinandertreffen und in der Pause auch einmal toben. Gerade der Schulweg bedeutet ein Risiko. Deshalb begleiten viele Eltern ihre Kinder zunächst noch täglich in die Schule oder fahren sie dorthin.

Doch wie sieht es konkret mit der finanziellen Absicherung aus, wenn ein Kind in der Schule oder dem Weg dorthin verunfallt? Die gute Nachricht: Hier bietet die gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) zumindest einen Grundschutz. Dieser ist allerdings sehr gering, wie nun die „Rheinische Post“ warnt. Selbst bei völliger Erwerbsunfähigkeit erhält ein Schüler maximal 661 Euro Rente im Monat. Dabei sind noch nicht einmal alle anfallenden Kosten abgedeckt, etwa für den behindertengerechten Umbau der Wohnung oder des Autos.

Tatsächlich ist die Gefahr eines Schulunfalls nicht gering. Insgesamt 1,24 Millionen meldepflichtige Schulunfälle ereigneten sich im Jahr 2016 sowie mehr als 111.200 Unfälle, die sich auf dem Schulweg ereignet haben. Aber bitte einmal durchatmen, liebe Eltern: Auch diese Zahl ist zu relativieren. Denn nur ein Bruchteil der Schulunfälle geht mit einer schweren Verletzung oder gar einem bleibenden Schaden einher. Insgesamt 707mal musste im Vorjahr die gesetzliche Unfallkasse für Schüler eine Rente bewilligen. Die meisten Unfälle verlaufen glimpflich!

Schwere Krankheiten häufiger Ursache für einen bleibenden Schaden

Zwei Drittel aller Unfälle bei Kindern und Jugendlichen ereignen sich jedoch nicht in der Schule, sondern in der Freizeit. Auch aus diesem Grund lohnt es sich, zusätzlich zum bestehenden Schutz durch die Sozialversicherung eine private Unfall-Police abzuschließen. Hier leistet der Versicherer unabhängig von Zeitpunkt und Ursache des Unfalls. Und auch die Leistung der gesetzlichen Unfallkasse ist nicht gefährdet: Sie zahlt unabhängig davon, ob der Schüler zusätzlich eine private Unfallversicherung besitzt.

Auch eine Invaliditätsversicherung käme als Alternative infrage. Aus folgenden Gründen: von den 150.000 Kindern, die derzeit als invalide gelten, haben sich „nur“ 0,45 Prozent ihre Behinderung durch einen Unfall zugezogen. Krankheiten sind weit häufiger Ursache für eine Invalidität. Das zeigt ein Blick auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Laut Mikrozensus 2009 weist die Statistik für Vier- bis Sechsjährige eine Gesamtzahl von 14.300 Schwerbehinderten aus, berichtet die „Südwest Presse“, davon 24 durch Unfälle und fast 8700 durch Krankheiten.

 

Fast die Hälfte aller Notfallpatienten besitzt wichtige Dokumente nicht

Eine aktuelle Studie macht darauf aufmerksam, dass nur jeder zweite Notfallpatient in einer Klinik über eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht verfügt. Die Konsequenzen können drastisch sein. Im Zweifel nämlich wird dann eine fremde Person als Betreuerin oder Betreuer eingesetzt, wenn der Patient nicht mehr für sich selbst entscheiden kann: Die Verwandten sind außen vor.

Es sind zwei Begriffe, die auf viele Bundesbürger eher abschreckend wirken: Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Geht es doch sehr konkret um die Frage, was mit mir einmal passieren soll, wenn ich selbst für mich keine Entscheidungen mehr treffen kann. Zum Beispiel, weil nach einem Autounfall das Hirn so stark geschädigt wird, dass die betroffene Person im Wachkoma liegt. Gedanken, die man verständlicherweise lieber weit von sich schiebt!

Und doch sind beide Dokumente so wichtig, dass sie jeder erwachsene Bürger haben sollte. Darauf macht aktuell die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) aufmerksam. Also der Interessenverband jener Ärzte, die Notfallpatienten zuerst betreuen und versorgen. Die Mediziner haben eine Umfrage an einer Universitätsklinik in Hamburg unter knapp 1.000 Patienten durchgeführt. Mit erschreckendem Ergebnis: Nur circa jeder zweite Notfallpatient hatte wenigstens eines der beiden Dokumente vorliegen.

Den eigenen Willen erklären – Für den Fall, dass man selbst nicht mehr entscheiden kann

Welches Risiko aber bedeutet es, wenn man weder eine Vorsorgevollmacht noch Patientenverfügung besitzt? Dies kann man sich deutlich machen, indem man sich deren Aufgaben bewusst macht. Mit einer Patientenverfügung können Menschen konkret festlegen, welche medizinische Behandlung sie wünschen, wenn sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind. Zum Beispiel, ob bei einem irreparablen Hirnschaden die künstliche Beatmung aufrecht erhalten bleiben soll.

Eine Vorsorgevollmacht hingegen legt fest, welche Personen wichtige Aufgaben übernehmen sollen, wenn man selbst nicht mehr entscheiden kann. Wer darf auf das Konto zugreifen? Wer darf Post und Briefe öffnen? Oder Entscheidungen über lebensverlängernde Maßnahmen treffen? Wichtige Fragen also, die nicht dem Zufall überlassen bleiben sollten!

Ohne dieses Dokument ist keineswegs garantiert, dass die Familie über den Besitz und Zustand des Patienten bestimmen darf, wenn er selbst keine Entscheidungen mehr treffen kann. In Deutschland besteht ein Selbstbestimmungsrecht, das selbst gegenüber den engsten Angehörigen greift. Und so setzt das Sozialgericht im Zweifel eine fremden Person als Vormund für den Patienten ein. Mit anderen Worten: Nicht mehr die eigenen Angehörigen entscheiden über einen Menschen, sondern im schlimmsten Fall ein professioneller Betreuer, der auch Entscheidungen gegen den Willen der Familienmitglieder fällen darf!

„Jeder Bundesbürger ab dem 18. Lebensjahr sollte eine vollständige Vorsorgevollmacht hinterlegt haben. Nur die klärt im Ernstfall, wer für den erkrankten Patienten in Gesundheitsfragen entscheiden darf“, sagt folglich auch Professor Stefan Kluge, Präsidiumsmitglied bei DIVI und selbst als Notfallmediziner am Uniklinikum Hamburg tätig. Aber selbst wenn so ein Dokument vorliegt, ist der Patient nicht in jedem Fall abgesichert. Denn dieses sollte vollständig und gut lesbar sein. Dies ist ein weiteres Ergebnis der Befragung: Mehr als 40 Prozent aller vorliegenden Dokumente wiesen Mängel auf oder waren nur zum Teil ausgefüllt. Auch dann ist ein solches Schriftstück anfechtbar. Deshalb sollte man sich Rat bei einem Fachmann holen, etwa dem Hausarzt oder einem Juristen.

 

Versichert wie ein Fußballprofi

Auch Profi-Fußballer sorgen vor! Immer mehr Profis schließen eine Invaliditäts- oder Krankentagegeldversicherung ab. Das ist auch für Freizeitsportler zu empfehlen. Denn Hobbyfußballer können sich im Gegensatz zu Bundesliga-Profis nicht auf die gesetzliche Unfallversicherung verlassen, wenn das Kreuzband reißt oder eine andere schwere Verletzung eintritt.

Das Warten aller Fußballfans hat ein Ende: Soeben ist die Bundesliga in die neue Saison gestartet. Und gleich kam es zu einem kuriosen, wenn auch tragischen Vorfall. Der Fußballprofi Nicolai Müller vom Hamburger Sportverein hatte keine lange Freude an seinem Torjubel nach dem entscheidenden 1:0 Siegtor im Heimspiel gegen den FC Augsburg. Denn er verletzte sich bei seinem Torjubel so schwer, dass er nun sieben Monate ausfallen wird. Beim Versuch, eine doppelte Pirouette zu drehen, blieb er im Rasen hängen: Nun ist sein vorderes Kreuzband gerissen.

Doch Nicolai Müller hatte doppelt Glück in Unglück: Zumindest, wenn man seine finanzielle Situation betrachtet. Wie die „Hamburger Abendzeitung“ berichtet, wird sein Unfall beim Torjubel als Arbeitsunfall gewertet. Das heißt, der HSV zahlt dem Fußballprofi noch sechs Wochen sein Gehalt: Dann springt die Gesetzliche Unfallversicherung (VBG) ein. Sein Jahresgehalt von geschätzt 2,1 Millionen Euro kann die Unfallkasse freilich nicht auffangen. Sie zahlt maximal 6.400 Euro im Monat.

Auch Fußballprofis sorgen privat vor!

Darüber hinaus hat Nicolai Müller eine private Zusatzversicherung gegen Invalidität abgeschlossen, berichtet das Hamburger Boulevardblatt. Denn auch die Fußballprofis wissen um die Notwendigkeit einer zusätzlichen Absicherung. Natürlich haben die Stars der Liga einen Schutz, der nur indirekt mit den „normalen“ Verträgen für Privatkunden vergleichbar ist. Es handelt sich um spezielle Sportversicherungen, die über Spezialmakler vertrieben werden und auf ihre Ansprüche zugeschnitten sind.

Aufgrund der hohen Summen, bei denen es im Fußball-Business geht, sind gut verdienende Fußballprofis in der Regel über Lloyds of London versichert. Das ist eine Art Versicherungsmarkt in der britischen Metropole, bei dem sich mehrere Versicherer zusammenschließen können, um ein Risiko gemeinsam zu tragen. Das empfiehlt sich immer dann, wenn ein möglicher Schaden so hohe Kosten erzeugen würde, dass ihn eine Versicherung allein schwer stemmen kann: etwa, wenn Sportveranstaltungen wie Fußballweltmeisterschaften gegen Terrorrisiken versichert werden sollen. Oder eben bei der Versicherung von Fußballstars.

Wer zahlt, wenn beim Sport was passiert?

Im Gegensatz zu einem Profi wie Nicolai Müller können Freizeitsportler nicht auf die Hilfe der gesetzlichen Unfallversicherung zählen, wenn sie sich beim Sport verletzen. Kein Wunder, zahlt diese doch nur, wenn der Unfall auf Arbeit passiert oder dem direkten Weg dorthin. Und so empfiehlt sich auch für Kreisliga- und Hobbykicker unbedingt, dem Vorbild der Profis zu folgen und zusätzlich privat vorzusorgen. Gerade der Fußball ist als Lieblingssport der Deutschen leider sehr verletzungsintensiv: Pro Jahr verletzen sich 350.000 Menschen, wenn auch meist glimpflich.

In der Regel zahlt eine private Unfallversicherung für Verletzungen beim Fußball. Allerdings gibt es dabei auch Hürden. Laut Definition vieler Verträge liegt ein Unfall nur dann vor, wenn „ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig zu einem Körperschaden führt“. Wer ohne Fremdeinwirkung mit dem Fuß umknickt und sich einen komplizierten Bruch zuzieht, droht leer auszugehen, wenn nicht auch Eigenbewegungen mitversichert sind. Auf diese Leistung gilt es folglich in den Vertragsbedingungen zu achten.

Auch eine Krankentagegeldversicherung kann bei einer Sportverletzung weiterhelfen. Sie ersetzt den Lohnausfall, wenn man aufgrund einer Verletzung oder Krankheit längere Zeit im Job fehlen muss: Gerade für Selbstständige kann eine solche Vorsorge Gold wert sein. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Invaliditätsversicherung kann darüber hinaus helfen, wenn es im Job gar nicht mehr weitergeht. Hier gilt das Motto: Vorsorge betreiben wie ein Profi!

 

Unfallschutz für ABC-Schützen

Das neue Schuljahr startet! Und viele ABC-Schützen strömen in die Klassenzimmer, um das Einmaleins, Rechnen und Schreiben zu erlangen. Für die Eltern ist das leider auch ein Anlass, über den Unfallschutz der Kleinen nachzudenken.

Für viele Kinder im Alter von 6 bis 7 Jahren beginnt nun der Ernst des Lebens: Sie haben ihre Zuckertüten erhalten und werden schon bald erstmals im Unterricht sitzen. Doch auf dem Weg in die Schule lauern Gefahren, wie die Unfallstatistik zeigt. Mehr als 110.000 Schüler verunglücken jedes Jahr auf dem Schulweg, so verrät die Statistik der Deutschen Unfallversicherung (DGUV). Und auch in der Schule ereignen sich mehr als 1,2 Millionen Unfälle pro Jahr. Das sind etwa 78 Schülerunfälle je 1.000 Schüler, so verrät die Statistik, wobei freilich auch ältere Jahrgänge mit eingerechnet sind.

Aber es gibt eine positive Nachricht für besorgte Eltern: Die wenigsten Schulunfälle oder Schulwegunfälle fallen so schwer aus, dass sie einen bleibenden Schaden bewirken. Fast alle enden glimpflich. Weniger als 1.000 Schüler erhalten pro Jahr eine Rente zugesprochen, weil sie so schwer verunglücken, dass es nicht mehr weitergeht. Denn dies ist die zweite gute Nachricht: In der Schule und auf dem Weg dorthin genießen die Schüler Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Eine Grundabsicherung ist also für den Fall der Fälle gegeben. Auch bei Schulausflügen zahlt die Unfallkasse.

Privates Upgrade lohnt

Dennoch sollten Eltern zusätzlich darüber nachdenken, auch eine private Unfallversicherung für die ABC-Schützen abzuschließen. Denn der gesetzliche Schutz gilt nur sehr eingeschränkt. Schon wenn das Kind auf dem Nachhauseweg von der Schule einen Abstecher macht, um noch einmal den Spielplatz aufzusuchen, kann damit die gesetzliche Unfallversicherung leistungsfrei sein. Nicht so bei einem privaten Vertrag: Hier leistet der Versicherer in der Regel unabhängig von Zeitpunkt und Ursache des Unfalls! Denn oft kommen Kinder eben nicht in der Schule zu Schaden, sondern beim Spielen oder Sport.

Darüber hinaus sollten Eltern eine Invaliditätsabsicherung als Alternative für ihr Kind in Betracht ziehen. Der Grund: Nur 0,45 Prozent aller schweren Verletzungen bei Kindern resultieren tatsächlich aus einem Unfall. Bleibende Beeinträchtigungen sind weit öfter durch schwere Krankheiten zu beklagen, etwa eine Meningitis. Hierfür zahlt die private Invaliditätsversicherung, während die Unfallversicherung tatsächlich nur bei Unfällen einspringt. Vorausgesetzt, die Unfall-Police hat keinen Zusatzbaustein, der den Schutz entsprechend erweitert. Es empfiehlt sich, für eine Invaliditäts-Versicherung eine ausreichend hohe Monatsrente zu vereinbaren, etwa 1.000 Euro.

Wichtig ist aber natürlich, es erst gar nicht zum Unfall kommen zu lassen und die Kinder entsprechend aufzuklären. Und selbst für den Fall vorzusorgen, dass auch den Eltern mal was passieren kann – mit einer eigenen Invaliditäts- und Hinterbliebenenvorsorge. Ein Beratungsgespräch kann helfen, den passenden Schutz für die Familie zu finden.

 

Unternehmervollmacht – Wenn der Chef im Job ausfällt

Wenn es im Job nicht mehr weitergeht, hat das gerade für Unternehmer bittere Konsequenzen. Wer leitet das Unternehmen, wenn der Chef nicht mehr kann? Und wer tritt fortan als Geschäftsführer in Erscheinung? Es sind Fragen, die über den Fortbestand einer Firma entscheiden können. Nicht wenige Unternehmen sind daran zerbrochen, dass der Chef längere Zeit ausgefallen ist – und kein gleichwertiger Ersatz da war.

Deshalb empfiehlt es sich, möglichst zeitig über den Abschluss einer Unternehmervollmacht nachzudenken. Mit einem solchen Dokument ist geregelt, wer fortan das Unternehmen führen darf, wenn der Chef für längere Zeit ausfällt. Gibt es kein solches Dokument, darf ein Gericht einen Betreuer für den Bedarfsfall ernennen – unabhängig davon, ob dieser tatsächlich für den Job qualifiziert ist.

„Viele denken, dass sie in solchen Situationen automatisch von ihrem Ehegatten vertreten werden. Das ist nicht der Fall. Wurde also keine Vollmacht erteilt, muss durch das Gericht ein Betreuer bestellt werden“, erklärt Margit Winkler, Geschäftsführerin beim Institut GenerationenBeratung. Eine automatische Vertretungsberechtigung durch Ehepartner, Verwandte oder Familienangehörige gibt es nicht. Es gelten die Paragraphen §§ 164 ff. und §§ 662 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Details regeln

Die Erstellung der Unternehmervollmacht sollte mit einem spezialisierten Juristen erfolgen, damit das Dokument auch rechtssicher ist. Dabei können die Bestimmungen sehr konkret festgelegt werden: etwa, wie nach dem Ausscheiden des Chefs die Beziehung zu den Zulieferfirmen aufrecht erhalten werden soll. Oder wer eingehende Emails beantworten darf. Sogar Passwörter lassen sich sicher vor unbefugtem Zugriff hinterlegen. Hier lohnt es, die Vollmacht möglichst genau zu definieren.

Darüber hinaus können Unternehmer mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) für ihr Aus im Beruf vorsorgen. Wie nur wenige andere Versicherungen schützt die BU-Police Unternehmer vor dem sozialen Abstieg. In der Regel erhält der Versicherungsnehmer eine vorher vereinbarte Rente, wenn er zu 50 Prozent und für mindestens sechs Monate seinen Job nicht wahrnehmen kann. Ein Beratungsgespräch hilft, den passenden Schutz zu finden.

 

 

Oktoberfest und Unfallversicherung – Weshalb Kurzzeit-Policen nur eingeschränkten Schutz bieten

Oktoberfest tilt shiftAm Samstag ist es wieder so weit: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wird mit einem «Ozapft is!» das erste Bier auf der Wiesn zapfen – und damit das Oktoberfest offiziell eröffnen. Rund 6 Millionen Menschen strömten 2015 in die Isar-Metropole, um es sich bei Bier und Schweinshaxn gutgehen zu lassen. In diesem Jahr werden ähnlich viele Besucher erwartet. Doch wie sieht es mit dem Unfallschutz aus?

Dass für ein solches Event eine Unfallversicherung empfehlenswert ist, ergibt sich schon aus dem ausgiebigen Alkoholkonsum. Stolze 7,5 Millionen Liter Bier werden auf dem Oktoberfest getrunken, so berichten die Veranstalter. Da können schon mal der Bub oder das Madl den Halt verlieren, wenn sie im Bierzelt auf den Tischen tanzen. Für die Sanitäter bedeutet das Volksfest 17 Tage Dauereinsatz. Zwischen 7.000 und 10.000 Menschen benötigen pro Saison laut DRK medizinische Hilfe, auch wenn die meisten Stürze glimpflich ausgehen.

Kurzzeitversicherungen – eingeschränkter Schutz für viel Geld

Auch mancher Versicherer hat das Potential erkannt und bietet für das Oktoberfest spezielle Kurzzeit-Unfallversicherungen an, die per App abgeschlossen werden können. Ein Münchener Versicherer berechnet für den 24-Stunden-Schutz zum Beispiel eine Summe von 5,99 Euro. Der Schutz gilt nur für den Wiesen-Aufenthalt und läuft dann automatisch aus. Das klingt erst einmal preiswert. Ist es aber nicht, rechnet man diese Kurzzeit-Prämie auf das Jahr um. Stolze 2186,35 Euro Jahresbeitrag würde eine solche Unfallversicherung kosten, wenn man sie über das ganze Jahr bezieht!

Ein weiterer Grund spricht gegen derartige Kurzzeitversicherungen: Die Invaliditätssumme ist oft sehr begrenzt, zum Beispiel auf 50.000 Euro. Wer einen derart schweren Unfall erleidet, dass ein bleibender Schaden zu beklagen ist, kann mit dieser niedrigen Summe seinen Lebensstandard nicht absichern.

Ein Beispiel: Man stelle sich nur einmal vor, bei einem selbstverschuldeten Unfall mit einem Fahrgeschäft verletzt sich ein Oktoberfest-Besucher so schwer, dass der rechte Arm amputiert werden muss. Viele Unfallversicherer zahlen für diesen Fall, abhängig von der Gliedertaxe im Vertrag, 70 Prozent der Invaliditätssumme aus. Das wären bei einer Kurzzeit-Police also 35.000 Euro. Wie lange reicht das Geld, um damit über die Runden zu kommen?

Besser gleich eine vollwertige Unfallversicherung abschließen!

Da ist es besser, gleich eine vollwertige Unfallversicherung abzuschließen, die das ganze Jahr über gilt!Zwar gibt es keine feste Regel, wie hoch eine Invaliditätssumme in der Unfallversicherung sein sollte. Das hängt auch von der jeweiligen Lebenssituation ab. Wer Kinder hat, sollte zum Beispiel eine höhere Leistung vereinbaren. Aber die Experten-Empfehlungen reichen vom Sechsfachen des Jahresbruttos bis hin zu einer Summe von 500.000 Euro!

Grundsätzlich gilt: eine niedrige Absicherung ist besser als gar keine. Wer also noch keine Unfallversicherung hat, kann mit so einer Kurzzeit-Police zumindest einen Grundschutz genießen. Ansonsten sind vollwertige Versicherungslösungen derartig befristeten Verträgen vorzuziehen. Zusätzlich zur Unfallversicherung ist es ratsam, auch für den Verlust der Arbeitskraft finanziell vorzusorgen, etwa durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Dann steht dem Wiesen-Gaudi nichts mehr im Wege!

Patientenverfügung muss konkret genug sein

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Patientenverfügung: in guten Tagen denkt man nicht daran. Doch das Blatt kann sich schnell wenden. Ein drastischer Unfall, eine plötzliche schlimme Krankheit oder ein anderes Unglück können das Leben von heute auf Morgen verändern… Und mit einem Mal ist der geliebte Partner, das Kind oder ein Elternteil zum Patienten geworden, der es nicht vermag, selbst zu entscheiden. Diese Aufgabe der Entscheidung muss dann von den Angehörigen übernommen werden. Das ist sehr schwer, denn nun ist es an ihnen, die Festlegungen zu treffen, die von der Person die es betrifft, nicht getroffen wurde.

Nun fragen sich die Angehörigen: Hätte sich der ihnen nahestehende Mensch ein kurzes Leiden gewünscht – ohne lebensverlängerten Maßnahmen? Welche medizinische Behandlung hätte sie sich gewünscht und wie hätte sie sich entschieden? Ist man herzlos, wenn man sich entscheidet, die Behandlung jetzt zu beenden oder gehört es sich, weiter zu machen, solange das geht?

Das sind nur einige der extrem belastenden Fragen, die sich vor den Angehörigen auftürmen, wenn sie sich nicht auf eine solide Patientenverfügung stützen können. Darum formuliert der Bundesgerichtshof die Anforderungen an die Patientenverfügungen mit einem aktuellen Urteil noch konkreter (Az. XII ZB 61/16).

Bei einer Patientenverfügung müssen Menschen darüber nachdenken, wie lange und in welcher Weise sie am Ende ihres Lebens behandelt zu werden wünschen. Nachdem sie diese Fragen für sich geklärt haben, tragen sie das Ergebnis dann in ihre Verfügung ein. Dabei genügt es jedoch nicht, nur zu fixieren, dass man keine „lebensverlängernden Maßnahmen“ möchte. Denn das ist nicht präzise genug, weil im Zweifelsfall niemand etwas damit anfangen kann.

Patientenverfügung ohne Interpretationsspielraum

Der BGH entschied darum, dass die getroffenen Festlegungen in der Patientenverfügung erst dann bindende Kraft gewinnen, wenn sie konkret einzelne ärztliche Maßnahmen benennen, Krankheiten klar bezeichnen und wenn auch bei Behandlungssituationen keine Interpretationsspielräume offen gelassen werden. Das sind die neuen Bedingungen, die die Richter in Karlsruhe am BGH formuliert haben.

Zu der Neujustierung der Anforderungen an die Patientenverfügung kam es wegen einer ungenauen Patientenverfügung, die im Streit von drei Schwestern mündete. Die Mutter der drei Schwestern, die Jahrgang 1941 war, konnte infolge eines Hirnschlags nicht mehr sprechen und sich selbstständig ernähren, das geschah nun über eine Magensonde.

Die Geschwister gerieten aneinander, weil sie sich uneinig waren darüber, wie sie nun weiter mit der pflegebedürftigen Mutter verfahren sollten. Galt ihr Leben unter diesen Umständen nun weniger? Hätte die Mutter selbst gewollt, dass man ihrem Leben trotz aller neuen und niederschmetternden Lebensumstände eine medizinische Verlängerung  ermöglicht hätte? Drei Menschen, drei Meinungen. Und keine einzige klare Ansage in der Patientenverfügung der Mutter.

Lebensverlängernde Maßnahme – was zählt dazu

Die Mutter hatte sogar gleich zwei Verfügungen aufgesetzt. In beiden hatte sie entschieden, dass sie im Falle eines schweren Gehirnschadens ohne „lebensverlängernde Maßnahmen“ verfahren wolle. In der Verfügung erteilte sie außerdem einer ihrer Töchter die Vollmacht, ihre Wünsche, die sie in der Vollmacht fixiert hatte, durchzusetzen.

Eine Vollmacht greift, solange alles „nach Plan“ verläuft. Aber eine Vollmacht wird aufgehoben oder beschränkt, wenn sich abzeichnet, dass die mit der Vollmacht betraute Person dem Willen des Patienten nicht entspricht.

So meinte die Tochter mit der Vollmacht nun, dass die Aufhebung der künstlichen Ernährung dem Wunsch der Mutter zuwider liefe. Das sahen die anderen beiden Schwestern jedoch nicht so.

Doch gerade an diesem Punkt wäre eine präzise Aussage der Mutter überaus dienlich gewesen. So sahen es auch die BGH-Richter, indem sie die Verfügungen als nicht konkret genug bewerteten. Schließlich könne man daraus keinen Sterbewunsch ableiten.

Nicht konkret heißt, es fehlen Verweise auf bestimmte Maßnahmen oder auf konkrete Krankheiten – dann wüsste man, ob die künstliche Ernährung vom Patienten als lebensverlängernde oder als lebenserhaltende Maßnahme eingestuft worden wäre und ob er beides gewünscht oder abgelehnt hätte.

Gericht prüft die möglichen Wünsche

Im beschriebenen Fall war ja nun aufgrund der unzureichenden Patientenverfügung nicht klar, ob die Mutter die Fortführung oder den Abbruch der künstlichen Ernährung gewünscht hätte. Diese Unklarheit gedieh soweit, dass gegenwärtig das Landgericht im baden-württembergischen Mosbach eine Prüfung anstellt, die versucht, Bemerkungen der Patienten in der Vergangenheit aufzuspüren, welche einen Hinweis liefern könnten auf den Wunsch der Mutter in der aktuellen Situation.

Es ist ein außergewöhnliches Beispiel, welches aber verdeutlicht zeigt, dass die bisherige Form der Patientenverfügung noch nicht die erforderliche, umfassende und unmissverständliche Klarheit an den Tag legt in der Frage, wie mit einem Patienten nach dem Verlust seiner eigenen Entscheidungsfähigkeit zu verfahren sei.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat das BGH-Begehren zum Anlass genommen, an Millionen Deutsche zu appellieren, damit diese ihre Verfügungen noch einmal mit präzisem Blick prüfen. „30 Prozent der Deutschen haben bislang eine Patientenverfügung abgefasst“, erklärte der Vorstand der Stiftung Eugen Brysch.

So sind viele, die eine Verfügung aufgesetzt haben, so Brysch, unsicher, ob denn ihre Dokumente in der konkreten Praxis überhaupt etwas taugen. Denn viele wissen nicht genau, ob ihre Patientenverfügungen die Entscheidungsprozesse ihrer Angehörigen tatsächlich vereinfachen und entlasten können. Durch den Beschluss des Bundesgerichtshofs sei aber nun „für Klarheit gesorgt“, so Brysch.

Unfallversicherung auf Zeit – Vorsicht, niedrige Invaliditätssummen!

IMG_6179 (1)Ganz egal, ob für den Stadionbesuch beim Bundesliga-Spiel, den Ausflug des Kindes mit dem Kindergarten oder sogar für die Pokémon-Jagd: Onlineanbieter offerieren ihren Kunden private Unfallversicherungen, die für bestimmte Anlässe abgeschlossen werden können. Doch bei diesen Angeboten sollte auch ein Blick in die Vertragsbedingungen geworfen werden. Oft ist die vereinbarte Versicherungssumme bei Vollinvalidität nicht ausreichend, die entstehenden Kosten aufzufangen.

Immer mehr Anbieter erlauben es, Versicherungen per App mit wenigen Mausklicks abzuschließen. In den letzten Jahren ist so ein ganz neuer Markt entstanden: sogenannte Kurzzeitversicherungen erlauben es, Unfallschutz für ein bestimmtes Ereignis zu wählen, etwa wenn man ins Stadion zum Fußballspiel geht. Die Versicherungen sind dann nur für dieses Ereignis gültig. Doch wie so oft haben diese Policen ihre Tücken, wie ein Blick in die Vertragsbedingungen zeigt.

Niedrige Invaliditätssummen

So bieten Kurzzeitversicherungen oft nur sehr niedrige Summen bei Vollinvalidität, zum Beispiel 15.000 Euro oder 30.000 Euro. Um Kosten aufzufangen, die infolge eines Unfalles entstehen können, ist das sehr wenig. Hier sollte bedacht werden, dass die volle Summe für Vollinvalidität tatsächlich nur im Worst-Case-Szenario ausgezahlt wird, nämlich wenn (mehrere) Körperfunktionen und Organe stark oder vollständig beeinträchtigt sind, und zwar dauerhaft. Die Regel ist aber, dass man nur einen Teil der Summe als Versicherungsleistung erhält, weil volle Invalidität laut Statistik eher selten eintritt.

Ein Beispiel: ist für den kompletten Verlust eines Armes ab dem Rumpf eine Invalidität von 70 Prozent festgeschrieben, erhält der Versicherungsnehmer bei 30.000 Euro Vollinvaliditätssumme auch nur 21.000 Euro ausgezahlt. Eben 70 Prozent. Entsprechend muss die Versicherungssumme ausreichend hoch gewählt werden, wenn die Police tatsächlich einen guten und umfänglichen Unfall-Schutz bieten soll.

Invaliditätssumme auch abhängig von individueller Situation des Versicherungsnehmers

Wie hoch die Invaliditätssumme bei einer Unfallversicherung mindestens ausfallen sollte, dafür gibt es kein Patentrezept: unterschiedliche Experten werden hier unterschiedliche Summen nennen. Das hängt auch vom Alter und der individuellen Lebenssituation der Person ab, etwa ob sie Haupternährer einer Familie ist, wie viel sie verdient, wie alt eine Person ist und ob bereits andere Versicherungen vorhanden sind, etwa gegen Berufsunfähigkeit. Die Empfehlungen reichen vom sechsfachen des Jahresbruttos bis hin zu einer Summe von 500.000 Euro.

Darüber hinaus kann eine sogenannte Progression vereinbart werden. Sie sorgt dafür, dass bei einer schweren Beeinträchtigung des Körpers die ausgezahlte Summe prozentual steigt, abhängig vom Grad der Schädigung. Wenn ein Versicherungsnehmer zum Beispiel eine Versicherungssumme von 100.000 Euro bei zugleich 500er Progression abschließt, kann er bei 100 Prozent Invalidität den fünffachen Betrag (500.000 Euro) erreichen.

Unfallversichert – in allen Situationen!

Darüber hinaus besteht bei Versicherungen, die man eben mal für bestimmte Anlässe abschließt, eben kein Unfallschutz für die ganze Zeit, sondern nur für das jeweilige Event. Wenn dann an anderer Stelle etwas passiert, steht man komplett ohne Absicherung da. Was spricht also dagegen, gleich eine vollwertige Unfallversicherung abzuschließen? Hier sollte bedacht werden, dass laut Statistischem Bundesamt die meisten Unfälle dort passieren, wo man es am wenigsten vermutet. Nämlich in den eigenen vier Wänden und in der Freizeit.

Grundsätzlich aber gilt: ein eingeschränkter Schutz ist besser als keiner. Für jene, die eine private Unfallversicherung nicht besitzen, können die Tarife per App zumindest eine kurzzeitige Alternative bieten. Ein Beratungsgespräch zur finanziellen Absicherung Absicherung des Unfallrisikos schafft Aufklärung!

Pausenspaziergang kostet Unfallschutz

RaucherpauseWie lückenhaft der Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung ist, zeigt erneut ein Urteil. Demnach verlieren Beschäftigte bereits ihre Absicherung, wenn sie sich mit dem Pausenbrot auf einen kurzen Spaziergang begeben. Und selbst in der Raucherpause auf Arbeit greift unter Umständen nur eine private Absicherung.

Wenn Erwerbstätige einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit erleiden, springt in der Regel die gesetzliche Unfallversicherung ein. So wichtig diese Absicherung auch ist, zahlt sie jedoch nicht für jede Situation, in der Arbeitnehmer zu Schaden kommen. Eine großes Risiko, komplett ohne Schutz dazustehen, besteht zum Beispiel während der Pausen, wie aktuell eine Frau erfahren musste. Auf das entsprechende Urteil macht die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) aufmerksam.

Bei Spaziergang frische Luft schnappen – Für die Unfallversicherung tabu!

Der Frau nahm an einer mehrtägigen Fortbildung in einer anderen Stadt teil. Um ihren Kopf freizubekommen und etwas Luft zu schnappen, verließ sie während der Mittagspause das Handwerkszentrum, in dem die Veranstaltung stattfand. Bei einem Spaziergang wollte die Frau ihr selbstmitgebrachtes Pausenbrot verspeisen.

Auf dem Rückweg rutschte die Unglückliche aus und zog sich einen komplizierten Bruch des rechten Handgelenkes zu. Die Behandlungskosten übernahm die Unfallkasse. Als die Frau auch bleibende Funktionsstörungen der Hand geltend machen wollte, die sie bei der Ausübung ihres Berufes behinderten, ging der Sozialversicherungs-Träger aber in Widerspruch. Nach Interpretation der Unfallkasse lag kein Wegeunfall vor.

Die Frau klagte daraufhin vor Gericht – und erlitt eine bittere Niederlage. Die Richter betonten, der Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung umfasse nicht den einfachen Spaziergang, um frische Luft zu tanken und Proviant zu essen. Die Frau ging also leer aus. Gezahlt hätte die Kasse hingegen, wenn eine sogenannte betriebsdienliche Verrichtung außerhalb des Betriebes vorgelegen hätte – zum Beispiel, wenn die Frau zum Bäcker gegangen wäre, um sich ein Brötchen zu kaufen (OLG Nordrhein-Westfalen, Az. L 17 U 325/13).

Private Unfallversicherung hätte gezahlt

Wer sich für solche Situationen absichern will, sollte zusätzlich eine private Unfallversicherung abschließen. Denn diese leistet in der Regel unabhängig davon, wann und wo der Unfall passiert ist. Sollte der Schaden so groß sein, dass man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, springt darüber hinaus eine Berufsunfähigkeitsversicherung ein.

Wichtig ist eine zusätzliche Privatvorsorge besonders für Raucher. Denn auch wer seine Arbeit für eine Raucherpause unterbricht, ist in dieser Zeit nicht unfallversichert. Das Rauchen sei eine reine private Angelegenheit ohne Bezug zu der beruflichen Tätigkeit, entschied das Sozialgericht Berlin  mit einem Urteil und verweigerte einer Pflegerin, die sich in der Raucherpause schwer verletzt hatte, eine Zahlung durch die gesetzliche Unfallversicherung (Aktenzeichen: S 68 U 577/12). Da heißt es: Privat vorsorgen ist besser als Armut risikieren!

 

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